| Leben
als Asylsuchende in Deutschland – ein Tunnel, in dem meist am Ende kein Licht zu sehen ist
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde! Im Juni 1980 begann im Iran durch das islamische Regime die Welle der Verhaftungen, Folterungen und Hinrichtungen von Andersdenkenden, Intellektuellen, Mitgliedern von religiösen und ethnischen Minderheiten sowie von Personen, die sich für Frauenrechte einsetzten. Damals war ich als Arbeiter bei einer Straßenbaufirma beschäftigt
und setzte mich als Sympathisant einer linken Partei für die Rechte
der Arbeiter ein. In diesem Sommer wurde ich verhaftet und verbrachte
insgesamt 29 Monate in verschiedenen Gefängnissen des Iran. Seit Beginn der islamischen Revolution im Iran im Jahre 1979 wurden,
nach Angabe von oppositionellen Gruppierungen, mehr als 100.000 Menschen
auf verschiedene Weise hingerichtet oder ermordet, bis heute zum Teil
in aller Öffentlichkeit. Während der Haftzeit stand mein Name auf der Hinrichtungsliste, doch durch Vermittlung zwischen meiner Familie und den lokalen Behörden und die Hinterlegung einer hohen Kaution wurde ich unter strengen Auflagen aus dem Gefängnis entlassen: Arbeitsverbot, Verbot der Nutzung von Bildungseinrichtungen, massive Einschränkung der Bewegungs-freiheit bzw. Residenzpflicht und Verbot, die Stadt zu verlassen. Nach der Entlassung nahm ich heimlich meine politischen Aktivitäten
wieder auf, wurde jedoch nach einigen Jahren denunziert. Um einer weiteren
Verhaftung zu entgehen und um mein Leben zu retten, ging ich in den Untergrund.
Schließlich floh ich nach Deutschland, ohne mich von meiner Frau
und meinen beiden Söhnen verabschieden zu können. Zweieinhalb Jahre nach meiner Flucht konnten meine Frau und meine beiden
Kinder auf illegalem Wege und durch Zahlung einer hohen Summe den Iran
verlassen, um zu mir zu kommen. Bei der Ankunft in Deutschland befand
sich nur noch der jüngere Sohn bei meiner Frau; der ältere Sohn
war während der Flucht von den Schleppern festgehalten worden, um
von uns Lösegeld zu erpressen. Diese Situation führte bei meiner
Frau und bei meinem älteren Sohn zu einer Traumatisierung, die bis
heute anhält. Ein dauerhafter Aufenthalt meiner Frau und meiner Kinder ist weiterhin
nicht gewährleistet. Das für mich erwirkte Abschiebeverbot gilt
nicht für meine Familie; dagegen hätte meine Anerkennung als
Asylberechtigter auch meine Angehörigen mit einbezogen. Erlaubt mir, dass ich Euch meine Empfindungen beschreibe. Die größte Belastung in all den Jahren in Deutschland entstand aus dem Gefühl der Ungerechtigkeit gegenüber meiner Familie und mir. Warum wurde ich nicht von vornherein anerkannt? Wer ist verantwortlich für diese neun schweren Jahre, die meine Familie und ich durchlebt haben? Dieser psychische Druck und alle anderen Schwierigkeiten, die meine Familie und ich im Iran und auf der Flucht erfahren haben, sowie die ungewisse Zukunft ohne gesicherten Aufenthalt in Deutschland führten dazu, dass meine Familie und ich in eine massive psychosoziale Krise gerieten. Um dieses Problem lösen zu können, wurde ich vor fünf Jahren durch einen Freund mit der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum bekannt gemacht. Die folgende professionelle Unterstützung durch die Medizinische Flüchtlingshilfe war und ist notwendig, da der Aufenthaltsstatus meiner Familie weiterhin ungeklärt ist. Liebe Freundinnen, liebe Freunde! Liebe Freundinnen, liebe Freunde! |