Damit Sie sich ein Bild von uns machen können ...

 

Das Leitbild beschreibt die wesentlichen Grundsätze und Orientierungen unserer Arbeit als Psychosoziales Zentrum.


Wer wir sind ...


Die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e.V. ist eine sozialmedizinische Menschenrechtsorganisation. Sie ist 1997 von MedizinerInnen und politisch engagierten Einzelpersonen als gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, die gesundheitliche Situation von hier lebenden Flüchtlingen und MigrantInnen zu verbessern, gegründet worden.
Wir sind eine Non Profit Organsation und finanzieren unsere Arbeit aus Spenden, Projektgeldern und öffentlichen Mitteln der Kommune, des Landes und der EU. Wir sind unabhängig von Parteien, Kirchen und anderen Institutionen.
Wir sind Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband, im Eine Welt Forum und bei der Koalition gegen Straflosigkeit. Unser Aktionsradius ist praktisch in der Region und politisch im In- und Ausland verankert. Wir sind in regionale, nationale sowie internationale Netzwerke eingebettet.


Für wen wir arbeiten ...


Unser konkretes Angebot richtet sich an Flüchtlinge und MigrantInnen unabhängig von Aufenthaltsstatus, Religion, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung und Herkunft.
Mit unserer politischen Arbeit wenden wir uns an staatliche und öffentliche Einrichtungen, wie z.B. Behörden, Parteien und Institute, an die Medien und an die interessierte Öffentlichkeit. Wir sind mit anderen Menschenrechts-, MigrantInnen- und Flüchtlingsorganisationen auch weltweit eng vernetzt und kooperieren auf regionaler Ebene mit Beratungsstellen und psychosozialen Zentren.
Wir fördern die Gründung und den Ausbau von ähnlichen Initiativen und Netzwerken und unterstützen die Selbstorganisierung von Flüchtlingen praktisch und politisch.


Was und wie wir arbeiten ...


Zu den zentralen Aufgaben der Medizinischen Flüchtlingshilfe gehören medizinische Vermittlung, soziale Beratung, Psychotherapie und engagierte Menschenrechtsarbeit.
Als sozialmedizinische Menschenrechtsorganisation arbeiten wir ganzheitlich, d.h. nie nur medizinisch, sozial, therapeutisch oder politisch, sondern verzahnen die verschiedenen Bereiche aufs engste miteinander. Fragestellungen zu Flucht, Krankheit und Trauma behandeln wir interdisziplinär und im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext.
Neben der konkreten Behandlung und Beratung von Flüchtlingen kämpfen wir im Rahmen unserer politischen Arbeit gegen die Ursachen und die gesellschaftlichen Bedingungen, die Menschen zur Flucht treiben und ihre Gesundheit verletzen – hier wie dort.
Unser Angebot ist kostenlos, anonym und professionell. Wir orientieren uns an den Bedürfnissen und Ressourcen unserer KlientInnen. Das heißt, dass wir einen emanzipatorischen (Beratungs-)Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe verfolgen. Wir arbeiten parteilich mit Flüchtlingen und MigrantInnen für ihre persönlichen und politischen Rechte und positionieren uns hierbei eindeutig gegen diskriminierende Gesetze und gesellschaftliche Bedingungen.

Wir arbeiten in einem multiprofessionell und interkulturell besetzten Team mit Haupt- und Ehrenamtlichen. Von allen erwarten wir interkulturelle und -religiöse Toleranz und die gegenseitige Anerkennung von Differenz und Vielfalt. Unser Arbeitsstil ist antirassistisch, transparent nach innen und außen und verantwortungsbewusst gegenüber unseren KlientInnen und MitarbeiterInnen.
Regelmäßig nehmen wir an einer externen Fall- und Teamsupervision teil. Unsere fachliche Kompetenz erweitern wir durch Fortbildungen, Informationsveranstaltungen und interne Diskussionen.


Wie wir uns selbst sehen ...

Grundlage unseres Selbstverständnisses bilden die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ (1948) und internationale Vereinbarungen, die Gesundheit als Menschenrecht formulieren.
Wir arbeiten auf der Basis eines ressourcenorientierten Menschenbildes, d.h. alle Menschen besitzen ein eigenes gesundes Potenzial, um schwierige Situationen zu bearbeiten. Diese Fähigkeiten wollen wir sicht- und erfahrbar machen und individuell stärken.
Wir begreifen Menschen als soziale und politische Subjekte. Der Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ist für uns keine hohle Phrase. Uns ist es wichtig, die Würde jedes einzelnen Menschen individuell und politisch durchzusetzen. Gewalt- und Ausbeutungsverhältnisse weltweit und Diskriminierungen jedweder Art lehnen wir entschieden ab. Innerhalb unserer Organisation setzen wir uns für gleichberechtigte und transparente Entscheidungsstrukturen ein.


Was wir unter Gesundheit verstehen ...

"Gesundheit, ein Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, ist ein fundamentales Menschenrecht. Das Erreichen des höchstmöglichen Niveaus von Gesundheit ist eines der wichtigsten sozialen Ziele weltweit, dessen Realisierung den Einsatz von vielen anderen sozialen und wirtschaftli-chen Sektoren und nicht allein des Gesundheitswesens erfordert." (Die Deklaration von Alma Ata, § 1, 1978)
Gemäß der WHO-Definition haben auch wir einen weiter gefassten Gesundheitsbegriff mit dem Ziel „Gesundheit für alle“. Gesundheit heißt für uns, dass der Mensch seinen Körper und seine Seele nutzen kann, sein Selbst zur freien Entwicklung zu bringen. Damit eng verbunden ist eine eigene Lebens- und Gesundheitsplanung.
Wir wünschen uns, dass alle Menschen diese Chance zur freien Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bekommen. Flüchtlinge und MigrantInnen sind Menschen, denen diese Möglichkeit in einem ganz extremen Ausmaß systematisch genommen wird.
Flüchtlinge ohne Papiere haben in Deutschland keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung und zu Präventionsmaßnahmen. Flüchtlinge mit einem eingeschränkten Aufenthaltsstatus erhalten nur eingegrenzte medizinische Leistungen.
Armut und Gesundheit sind eng miteinander verknüpft. Menschen mit Fluchthintergrund sind häufig traumatisiert. Hier sind sie dann gezwungen in sehr beengten Wohnverhältnissen, mit erschwertem Zugang zu Bildung und Arbeit und unzureichender Gesundheitsversorgung - rechtlich, sozial und gesellschaftlich diskriminiert - zu leben. Diese Bedingungen machen arm, aber nicht gesund.
Wir denken, dass nicht nur die rein medizinische Versorgung heilt - selbst diese wird vielen Flüchtlingen in Deutschland vorenthalten -, sondern, dass zur wirklichen Heilung ein integratives Angebot an medizinischer Versorgung, Sozialarbeit, Psychotherapie und letztlich Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und ein Leben in Würde gehören.


Was wir erreichen wollen ...

  • Flüchtlinge und MigrantInnen - auch ohne Papiere - müssen Zugang zu den vom Staat verweigerten Dienstleistungen erhalten (medizinisch, sozial, psychologisch): Gleiche Rechte für alle!
  • Gleiche Chancen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt und bei der Bildung.
  • Interkulturell kompetentes und sicheres Gesundheitssystem.
  • Über Missstände und diskriminierende Gesetze aufklären.
  • Diskriminierende Gesetze und Lebensbedingungen verändern.
  • Residenzpflicht, Arbeitsverbot, Lagerunterbringung, etc. aufheben.
  • Anliegen von Flüchtlingen sichtbar machen, ihnen Gehör verschaffen und gesellschaftliche Akzeptanz schaffen.
  • Soziale Integration statt Assimilation ist die Voraussetzung für Gesundheit.

Unser visionäres Ziel ist, die Arbeit der Medizinischen Flüchtlingshilfe überflüssig zu machen.

… dass niemand gezwungen ist, dort weg zu gehen, wo sie oder er bleiben möchte ...,
dass jede und jeder dahin gehen kann, wo sie oder er leben möchte.

5. September 2006, Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e.V.

 

Satzung / Jahresbericht 2008 / Presseerklärungen / Weitere Informationen