Presseerklärung der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum

6.10.2005

Eduardo Galeano begrüßt Bochumer Kongress
„Gerechtigkeit heilt“
Prominente Unterstützung für die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum

Anlässlich des am nächsten Wochenende in Bochum stattfindenden Kongresses "Gerechtigkeit heilt – der internationale Kampf gegen Straflosigkeit" erklärt der international bekannte uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano in einer Grußbotschaft seine Unterstützung für die Ziele des Kongresses.
"Es ist mir ein Anliegen, Euch meine Solidarität mit jener solidarischen Aufgabe auszudrücken, die ihr erfüllt. Und meine begeisterte Unterstützung für den Schritt, die Gerechtigkeit und die Gesundheit miteinander zu verbinden", schreibt Galeano an die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum.

Weltweit engagieren sich Menschenrechtsorganisationen für die Aufarbeitung und die juristische Verfolgung der Verantwortlichen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Vom 14. bis 16. Oktober werden in Bochum international bekannte MenschenrechtsaktivistInnen aus zahlreichen Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Europas über ihre Erfahrungen im Kampf gegen Straflosigkeit von Menschenrechtsverletzungen berichten und miteinander diskutieren.

Unter dem Kongresstitel "Gerechtigkeit heilt" wird dabei ebenfalls die Frage behandelt, in wie weit sich eine erfolgreiche Bekämpfung der Straflosigkeit positiv auf die seelische Gesundheit der Überlebenden von politischer Verfolgung, Folter und Krieg auswirken kann, eine thematische Verbindung, die bisher weltweit in dieser Form kaum vorgenommen wurde.

"Gerechtigkeit und Gesundheit sind durch die Kultur der Dominanz voneinander geschieden worden - durch eine Kultur des Auseinanderreißens, die alles, was sie berührt, trennt und isoliert", beschreibt Eduardo Galeano in seinem Brief den derzeit noch defizitären Diskussionsstand zur Auswirkung der strafrechtlichen Verfolgung von Tätern auf die seelische Gesundheit ihrer Opfer und plädiert für eine ganzheitliche Sichtweise menschlicher Lebensbereiche in ihrer Bedeutung für gesellschaftliche Veränderung.
"Der Wiederaufbau und die Entwicklung einer verbindenden Kultur, die es uns erlaubt, zu vereinen und uns zu vereinen, ist eine der großen Herausforderungen, die das neue Jahrtausend an uns stellt. So, wie es notwendig ist, Gerechtigkeit und Gesundheit zu verbinden, ist es ebenso notwendig, die Gerechtigkeit mit der Demokratie zusammenzuführen, die Erinnerung und die Geschichte mit der Gegenwart, den öffentlichen Diskurs mit dem alltäglichen Leben, das Individuum mit dem Leben in der Gemeinschaft, die Seele mit dem Körper und alles mit uns allen, die wir einzelne Teile eines Ganzen sind, voranschreitend auf der Suche nach einer gemeinsamen Bestimmung."

Eduardo Galeano ist Journalist, Essayist und Schriftsteller. Mit zwanzig Jahren wurde er stellvertretender Chefredakteur der "Marcha", einer Zeitschrift für Kultur und Politik in Montevideo. Später war er leitend bei den Zeitschriften "Épocha" (Uruguay) und "Crisis" (Argentinien) tätig.
1973 ging er nach seiner Inhaftierung zunächst ins argentinische und drei Jahre später ins spanische Exil, wo er bis zum Ende der Militärdiktatur Uruguays 1985 blieb.
1971 erschien die erste Fassung seines in 20 Sprachen übersetzten Werkes „Die offenen Adern Lateinamerikas“, welches sich mit der Geschichte Lateinamerikas, insbesondere den Kolonialherrschaften alter und neuerer Prägung auseinandersetzt. Galeano erhielt mehrere Literaturpreise, darunter den Preis der "Casa de las Américas" (1975, 1978) und 1999 in den USA den "Preis für die Freiheit der Kultur".

In Bochum wird die von Galeano angemahnte ganzheitliche Sichtweise in der gemeinsamen Diskussion und im Erfahrungsaustausch praktiziert werden. Ein interessiertes Publikum aus der gesamten Republik sowie aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland hat sich bereits zur Teilnahme angemeldet.

Nähere Informationen zum Kongress und zum Thema der Straflosigkeit finden sich unter: http://www.gerechtigkeit-heilt. de.

Die Durchführung des Kongresses wird durch die freundliche Unterstützung der Nordrhein-Westfälischen Stiftung für Umwelt und Entwicklung, der Bochumer Agenda 21 und des Bischöflichen Hilfswerks Misereor ermöglicht.