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Presseerklärung 12.01.2004
Die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum unterstützt
Proteste von Plettenberger AsylbewerberInnen
Flüchtlinge in Plettenberg fordern menschliche Lebensbedingungen
Delegation der Medizinischen Flüchtlingshilfe besuchte Flüchtlingsheim vor Ort
Bereits am 10. Dezember 2003, dem internationalen Tag der Menschenrechte, hatten 120 BewohnerInnen des Plettenberger Flüchtlingsheims einen offenen Brief an die EinwohnerInnen der Stadt sowie an die zuständigen Behörden veröffentlicht, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen – bisher ohne Resonanz (Brief siehe Anhang). Auf Einladung der BewohnerInnen untersuchte eine Delegation der Medizinischen Flüchtlingshilfe vor Ort die herrschenden Missstände.
Zur Zeit wohnen ca. 140 Flüchtlinge unterschiedlicher Nationalität in dem Plettenberger Heim, zumeist schon seit mehr als fünf Jahren. Sie protestieren gegen die menschenunwürdige Behandlung, von der zwangsweisen Unterbringung bis hin zu der Nichtbeachtung durch die zuständigen Behörden.
Die Delegation der Medizinischen Flüchtlingshilfe fand katastrophale hygienische Bedingungen vor, die gesundheitliche Probleme nach sich ziehen können. Für etwa 50 Frauen stehen insgesamt drei Duschen im Keller und jeweils zwei Toilettenbecken pro Etage, wovon eines meist defekt ist, zur Verfügung. Für die männlichen Bewohner ist die Situation ähnlich. Drei Brände im Laufe des Jahres 2003 und der tödliche Unfall eines 8-jährigen Mädchens konnten die Behörden nicht davon überzeugen, etwas an den herrschenden Lebensbedingungen zu verändern. Brandschäden wurden nur notdürftig behoben. Durch das ganze Gebäude zieht der Gestank von Urin, Müll und kaltem Qualm.
Während annähernd die Hälfte der Zimmer leer steht, müssen sich auch 6-köpfige Familien auf engstem Raum drängen.
Obwohl die meisten Flüchtlinge in der Lage und auch willens sind, sich in den normalen Arbeitsmarkt zu integrieren, haben sie aufgrund der Arbeitsmarktrestriktionen jedoch so gut wie keine Chance. Stattdessen müssen sie gemeinnützige Arbeit leisten, bei der sie für etwas mehr als 1 Euro pro Stunde Arbeiten erledigen müssen, die weit unter ihrer Qualifikation liegen. Neben diesem „Entgelt“ erhalten die Flüchtlinge – abhängig von ihrem Aufenthaltsstatus – Gutscheine, die in ihrem sehr geringen Geldwert nur von wenigen Läden anerkannt werden. Daher können die Flüchtlinge ihren Lebensbedarf nicht adäquat decken.
Bereits 1997 versuchten die damaligen BewohnerInnen des Heimes, mit Protesten die Aufmerksamkeit von Behörden, Menschenrechtsorganisationen und Kirchen auf ihre Lebensbedingungen zu lenken. Doch seither hat sich nichts verändert, im Gegenteil: nach Aussage der Flüchtlinge hat sich ihre Situation sogar noch verschlimmert. Seit Dezember letzten Jahres sehen sich die derzeit dort lebenden Flüchtlinge daher erneut zu friedlichen Protesten gezwungen – in der Hoffnung, sich diesmal Gehör zu verschaffen. Da bisher keinerlei Reaktion auf ihren offenen Brief an die zuständigen Behörden und EinwohnerInnen erfolgte, entschloss sich die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum, sich den Protesten anzuschließen, die bislang lediglich durch den Flüchtlingsrat des Märkischen Kreises unterstützt wurden.
Am vergangenen Samstag nahmen Mitglieder der Medizinischen Flüchtlingshilfe und Vertreter der AsylbewerberInnen aus Plettenberg an der Jahresversammlung des Flüchtlingsrates NRW teil, um dort für weitere Unterstützung zu werben.
Die Proteste der Flüchtlinge in Plettenberg werden durch den Flüchtlingsrat NRW e.V. inhaltlich unterstützt.
Die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum fordert:
- Flüchtlingsinitiativen, Menschenrechtsorganisationen und Kirchengemeinden auf, sich den Protesten anzuschließen
- von der Stadt Plettenberg, Verantwortung zu übernehmen und die Forderungen der Flüchtlinge anzuhören
- und von der Plettenberger Bevölkerung, sich die Situation im Flüchtlingsheim anzusehen und ihre Solidarität zu bekunden.
Für weitere Informationen und Fotomaterial steht das Büro der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum unter der o.g. Telefonnummer zur Verfügung.
i.A. Bianca Schmolze und Hanif Hidarnejad
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