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Presseerklärung, 14. April
2005
Geiselnahme in Ennepetal
Verzweiflungstat eines Opfers deutscher Asylpolitik?
Die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e.V. fordert menschenwürdige
Bleiberechtsregelungen
Ein 50-jähriger iranischer Asylbewerber hatte am Dienstag (13.04.2005)
vorübergehend vier Schülerinnen im westfälischen Ennepetal in seine Gewalt
gebracht und bedroht. Mit der Geiselnahme wollte der Mann offenbar erzwingen,
dass seine Familie aus dem Iran nach Deutschland kommen kann. Die Medizinische
Flüchtlingshilfe Bochum e.V. fordert, diesen Fall im Zusammenhang mit
der katastrophalen Lebensrealität vieler hier lebender Flüchtlinge zu
untersuchen.
Mehr als 217.000 Flüchtlinge leben derzeit mit einer Duldung in Deutschland,
viele davon bereits seit fünf und mehr Jahren, manchmal sogar bis zu 13
Jahren. Langjährige Asylverfahren, menschenunwürdige Lebenssituationen
und Perspektivlosigkeit führen bei vielen dieser Menschen zu starken psychischen
Belastungen. Hinzu kommen oft Traumatisierungen durch Krieg, Flucht, Vertreibung,
Folter und den Verlust von Heimat und Angehörigen. Ein Großteil dieser
Menschen lebt unter sehr schlechten Bedingungen in Sammelunterkünften.
Sie haben keine Arbeitserlaubnis, dürfen ihre Wohnbezirke nicht verlassen
und sind nur unzureichend medizinisch versorgt.
In solchen Situationen versuchen viele Flüchtlinge, erst durch Klage-
und Gerichtsverfahren und später in Form von Protesten, Hungerstreiks
und Petitionen Gerechtigkeit und Unterstützung zu finden. Bei Erfolglosigkeit
kommt es früher oder später zu schweren depressiven Phasen, Selbstmordgedanken
und entsprechenden Umsetzungsimpulsen. Die Medizinische Flüchtlingshilfe
versucht durch psychosoziale Krisenintervention oft, das Schlimmste zu
verhindern. Das Problem muss aber grundlegend gelöst werden.
Menschenrechtsorganisationen und Verbände haben in den letzten Jahren
die deutsche Regierung wiederholt in diesem Zusammenhang kritisiert, bislang
leider ohne Erfolg. Es sind dringend Bleiberechtsregelungen erforderlich,
die eine menschenwürdige Lebenssituation für Flüchtlinge ermöglichen.
Wir verurteilen Geiselnahmen und Gewalt in jeglicher Form und fordern
die zuständigen Behörden auf Bundes- und Landesebene auf, ihre Verantwortung
bezüglich der Sicherheit der gesamten Gesellschaft ernst zu nehmen.
Hierzu gehört aber auch, sich mit der Prävention ähnlicher Ereignisse
zu beschäftigen. Hierzu leistet die Medizinische Flüchtlingshilfe tagtäglich
ihren Beitrag und erklärt sich bereit, ihre Kenntnisse und Erfahrungen,
im Rahmen einer Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden zur Verfügung
zustellen.
Ansprechpartner bei Rückfragen ist:
Sozialarbeiter Hanif Hidarnajad, Tel.: 0234/3259272
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