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Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e.V
Presseerklärung
15.1.2004
Aufruf zur Unterstützung der Erdbebenopfer im Iran
Die
Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e.V. und der Iranische Kulturverein e.V. bitten um Spenden für
die Arbeit von "Ärzte ohne Grenzen" im Iran
Am 26. Dezember erschütterte ein schweres Erdbeben die iranische Stadt Bam. Inzwischen ist klar, dass in den
letzten Dezembertagen mehr als 35.000 Menschen den Tod fanden. Die Zahl der Waisenkinder ist inzwischen auf 6.000
gestiegen. Eine eingehende Untersuchung in Bam und nahen Ortschaften hat zudem ergeben, dass unter den Toten mehr
als 10.000 Schulkinder und 1.300 Lehrer sind. Rund 100.000 Menschen sind obdachlos.
Auch hier in der Bundesrepublik Deutschland haben zahlreiche EinwohnerInnen nahe Angehörige oder enge FreundInnen
verloren. Wir trauern mit ihnen um den schmerzlichen Verlust.
Ohne Zweifel hat das schreckliche Ereignis die Menschen in Iran noch enger zusammengebracht. Die Solidarität
mit den Opfern ist bewundernswert. In einem beispiellosen Akt der Selbsthilfe organisieren die Überlebenden
mit einfachen Mitteln die Suche nach ihren Angehörigen und NachbarInnen. Aus dem ganzen Land schaffen Menschen
Nahrungsmittel herbei und versuchen, die soziale Not der Verletzten und Obdachlosen zu lindern. Dennoch sind Hilfsprogramme
notwendig. Damit werden die Unterbringung der Überlebenden, Seuchenprävention und langfristige Wiederaufbaumaßnahmen
ermöglicht.
Noch immer benötigen Hilfsorganisationen hierfür Spendengelder, um schnell und effektiv die notwendige
Soforthilfe leisten zu können.
Als sozialmedizinische Organisation sieht die Medizinische Flüchtlingshilfe ihren Aufgabenschwerpunkt in der
medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland. Der Iranische Kulturverein
ist dem kulturellen Austausch und der Solidarität zwischen den Menschen verpflichtet. Soforthilfe im Iran
können beide Organisationen nicht selbst leisten, möchten aber auf diesem Wege die dringend notwendige
Arbeit von "Ärzte ohne Grenzen" unterstützen. Wir haben bereits (MFH: 600,- Euro, Iranischer
Kulturverein: 5.700 Euro ) eingesammelt.
Zurzeit befinden sich 25 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen im Erdbebengebiet, darunter sieben Ärzte,
drei Krankenschwestern und drei Logistiker in Bam sowie ein Arzt, zwei Krankenschwestern und zwei Logistiker in
Kerman. Zudem hat Ärzte ohne Grenzen mehrere Tonnen Hilfsgüter nach Bam gebracht: Neben Decken, Zeltplanen
und Material zur Wasserversorgung wurden zehn Tonnen Medikamente und Hygieneartikel sowie 15 Tonnen hochproteinhaltige
Kekse in die Erdbebenregion geschickt.
Ärzte ohne Grenzen hat die Krankenhäuser in den Städten Kerman, Mashad, Zahedan und auch in Teheran
besucht, in die die meisten verletzten Erdbebenopfer transportiert wurden.
Wir rufen daher die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland auf:
- den Hilfsorganisationen, wie z.B. "Ärzte ohne Grenzen", schnell und großzügig Spendengelder
zukommen zu lassen
- Gelder auch für den langfristigen Wiederaufbau bereitzustellen
Wir fordern von der Bundesregierung:
- die rasche und unbürokratische Erteilung von Einreisevisa für Erdbebenopfer, die von ihren Angehörigen
nach Deutschland eingeladen werden
- einen sofortigen Abschiebestopp von Flüchtlingen und MigrantInnen aus dem Iran.
Wir fordern von den ArbeitgeberInnen in der Bundesrepublik:
- die großzügige und unkomplizierte Bewilligung von Sonderurlaub für ArbeitnehmerInnen, die nach
ihren Angehörigen im Erdbebengebiet suchen wollen
Homan Babadie, für den Vorstand des Iranischen Kulturvereins Bochum e.V.
Georg Eberwein, für den Vorstand der Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e.V.
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