| Presseerklärung, 20. November
2004 Todesstrafenrepublik Iran zu Gast in Bochum Medizinische Flüchtlingshilfe prangert 'Geschäfte auf Kosten der Menschenrechte' an Anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung "Persiens Antike Pracht" am 28.11.04 im Bochumer Bergbaumuseum durch Minister Clement, erklärt Kamelia Akhbari Azad, Vorstand der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum: Mit großer Empörung hat die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum zur Kenntnis genommen, dass eine Delegation des Iran von Wirtschaftsminister Clement und Oberbürgermeisterin Scholz empfangen wird. Der Delegation gehören an: der Vizepräsident, der Vizepräsident der Organisation für das Kulturerbe und Tourismus und der Vizeminister für wirtschaftliche und internationale Angelegenheiten. Dass die Delegation in Anwesenheit von Minister Clement und Ex-Wirtschaftsminister Müller im Bergbaumuseum die Sonderausstellung "Persiens Antike Pracht" eröffnen wird, macht das menschenrechtsverletzende Regime in Deutschland hoffähig. "Es ist nicht akzeptabel, dass Menschenrechtsfragen hinter wirtschaftlichen Interessen verschwinden", so Kamelia Akhbari Azad von der Medizinischen Flüchtlingshilfe. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass das Delegationsmitglied Hossein Marashi, Vizepräsident des Iran, im Oktober dieses Jahres verkündete, dass zwei Kunst-Schmuggler zum Tode verurteilt wurden. "Ein Vizepräsident, der die Todesstrafe verkündet, ist in Deutschland nicht akzeptabel. Wir fordern die Oberbürgermeisterin und Wirtschaftsminister Clement auf, die Todesstrafe in Iran eindeutig zu verurteilen und den Besuch der Delegation abzusagen", so Akhbari Azad weiter. Nach Informationen von Amnesty International wurden in diesem Jahr mehr als 120 Hinrichtungen dokumentiert. Die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebari kritisiert, dass im Iran Mädchen bereits ab 9 und Jungen ab 15 Jahren als volljährig gelten und Opfer der Todesstrafe werden können. Gleichzeitig verbüßen zahlreiche politische Gefangene nach rechtswidrigen Prozessen oder gänzlich ohne Anklage lange Freiheitsstrafen. Seit September wurden alleine 25 Journalisten festgenommen. Von zahlreichen Gefangenen ist der Aufenthaltsort nicht bekannt. In 2003 wurden mindestens vier Gefangene zum Tod durch Steinigung, mindestens 197 Personen zu Auspeitschungen und elf zu Amputation von Fingern und Gliedmaßen verurteilt, wobei die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen dürften. "Vor diesem Hintergrund", so Akhbari Azad, "stellt der Empfang der für diese Verbrechen politisch Verantwortlichen einen untragbaren Affront gegen iranische Flüchtlinge hier in Bochum dar." |