Pressemitteilung der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum e.V.

24.08.2008

 

Bolivien zwischen Staatsstreich und Bürgerkrieg?

Diskussionsveranstaltung mit dem bolivianischen Botschafter Walter Magne
am 2.10.2008 um 19:30 Uhr
im Bahnhof Langendreer, Raum 6, Wallbaumweg 108, Bochum


Fast täglich erscheinen neue Meldungen zur aktuellen politischen Lage in
Bolivien in den Medien, und der Ausgang der momentanen Konflikte zwischen
Regierung und Opposition ist trotz der Wiederaufnahme von Verhandlungen
nicht vorhersehbar.

Anlässlich der aktuellen Situation wird der bolivianische Botschafter auf
Einladung der Medizinischen Flüchtlingshilfe bei einem Vortrag in Bochum mit
aktuellen Informationen über die Entwicklung in Bolivien referieren.

Seit einigen Monaten sieht sich die bolivianische Regierung schwersten
Destabilisierungsversuchen ausgesetzt. Die Gouverneure der reichsten
Provinzen - Pando, Santa Cruz, Beni, Tarija und Chuquisaca - erklärten ihre
Abspaltung von der Regierung in La Paz. Weiße rechtsradikale
Todesschwadronen jagten und ermordeten die AnhängerInnen des indigenen
Präsidenten Evo Morales in den Straßen. Bolivien steht vor einer
Zerreißprobe, die unmittelbar in einen Bürgerkrieg oder einen Staatsstreich
münden kann. Die Sezessionisten betreiben ihre Destabilisierungspolitik mit
aktiver Unterstützung durch die USA. Mitte September hat Bolivien daher den
US-Botschafter des Landes verwiesen. Landesweit ist die Unterstützung für
Präsident Morales jedoch weiter gewachsen. Bei einem Referendum vor einem
Monat erhielt seine Politik die Unterstützung von mehr als 67 Prozent der
Bevölkerung.

Werden die derzeitigen politischen Maßnahmen der amtierenden bolivianischen
Regierung unter Präsident Evo Morales ausreichen, um die Krisensituation zu
meistern? Kann die soziale Reformpolitik zugunsten der ärmsten
Bevölkerungsgruppen fortgesetzt werden? Wird die Opposition auch weiterhin
zu Verhandlungen bereit sein oder könnte die derzeitige Situation Auslöser
für einen Bürgerkrieg werden und eine Rückkehr in die Zeit der
Militärdiktaturen bedeuten?

Diese und weitere Fragen können bei der Veranstaltung mit dem bolivianischen
Botschafter diskutiert werden.

Nicht zuletzt wird es auch darum gehen, wie Menschen in Deutschland dazu
beitragen können, die sozialen Bewegungen in Bolivien angemessen zu
unterstützen und ihre bisherigen Errungenschaften zu verteidigen.

Die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum ist eine
Menschenrechtsorganisation, die im Rahmen ihrer Kampagne „Gerechtigkeit
heilt“ ein weltweites Netzwerk von Menschenrechtsorganisationen koordiniert
und sich dafür einsetzt, dass Menschenrechtsverletzungen, wie sie derzeit in
Bolivien passieren, nicht ungestraft bleiben und Demokratisierungsprozesse
vorangetrieben werden. Seit vielen Jahren betreut die Medizinische
Flüchtlingshilfe auch Flüchtlinge, die aus Krisengebieten dieser Welt
stammen und Opfer von Verfolgung und Folter wurden.