| BITTE UM PROTEST - BITTE
UM WEITERVERBREITING
Solidarität
mit Osman Murat Ülke
Vorformulierte Protest-E-Mails können geschickt werden an: * das Ministerkomitee des Europarats
über * den Präsidenten der
Türkei über * Faxnummern und Postadressen für Protestschreiben: Präsidentschaftsamt der
Türkischen Republik: Botschaft der Republik Türkei
(Deutschland) Herr Mehmet Ali Irtemçelik
Izmir, den 12. Juli 2007
EIN
JUSTIZSKANDAL Gegen den Kriegsdienstverweigerer
Osman Murat Ülke wurden mehrere Trotz des Urteils vom 24.01.2006
haben die zuständigen Regierungsvertreter Als seine bevollmächtigte
Rechtsanwältin habe ich zu dieser Vorladung Mein Mandant wurde erstmalig
am 08.11.1996 festgenommen und in mehreren Obwohl er am 09.03.1999 entlassen
wurde, droht ihm seine erneute Die durch die Staatsanwaltschaft
Ayvalik zugestellte Vorladung zeigt ein Mein Mandant Osman Murat Ülke
wandte sich 1997 mit einer Klage wegen der Im Ergebnis kam der EGMR mit
dem am 24.04.2006 rechtskräftig gewordenen - Osman Murat Ülke aufgrund
der mehrfachen Verurteilung und weiter drohenden Verurteilungen, die aus
seiner Gewissensentscheidung zur Kriegsdienstverweigerung resultieren,
einem "zivilen Tod" ausgesetzt ist, was sein Leben im Gesamten
beeinträchtigt; - die zahlreichen sich aus seiner Überzeugung ergebenden Anklagen, die sich daraus ergebenden summierenden Effekte der Verurteilungen und der ständige Wechsel von Anklagen und Zeiten der Inhaftierung, in Verbindung mit der Möglichkeit einer lebenslangen Strafverfolgung zu unterliegen, im Missverhältnis zu dem Ziel stehen, die Ableistung seines Militärdienstes sicherzustellen;
Die Entwicklungen beim Ministerkomitee des Europarates Nachdem das Urteil des EGMR rechtskräftig geworden war, übernahm das Ministerkomitee des Europarates den Fall, um die Umsetzung zu beobachten. Dazu tagte das Ministerkomitee bisher vier Mal. In der Sitzung vom 05.12.2006 fragte das Komitee die türkische Regierung an, welche Art der Vorkehrungen sie gegen die weitergehende Rechtsverletzung des Klägers (und hinsichtlich der allgemeinen Handhabung bezüglich der Kriegsdienstverweigerung) unternommen habe. Die Sitzung vom 14.02.2007
hatte die Löschung des Strafregistereintrages (urgent quashing of
the applicant´s criminal conviction) zum Inhalt. Hierbei erging
seitens des Komitees eine Rüge an die verantwortlichen Vertreter
der Türkei, weil bisher keinerlei Vorkehrungen zur Behebung der In der Sitzung vom 04.04.2007
wurde wiederum mit Bedauern festgestellt, dass weder Vorkehrungen hinsichtlich
des Einzelfalls sowie hinsichtlich der allgemein zu treffenden Maßnahmen
unternommen wurden, noch Auskunft diesbezüglich erteilt wurde. Daraufhin
nahm das Komitee zu Protokoll, dass Zum Treffen des Ministerkomitees
am 6. Juni 2007 erklärte die türkische Regierung, dass ein Gesetzentwurf
in Vorbereitung sei, der die wiederholte Bestrafung von Kriegsdienstverweigerern
aus Gewissensgründen verhindere und dass dieses Gesetz auch "allen
mit der Beeinträchtigung des Antragstellers verbundenen negativen
Konsequenzen abhelfen" werde. - Personen, die aufgrund ihres
Gewissens oder ihres Glaubens den - Jegliche Beeinträchtigungen
des Antragstellers Osman Murat Ülke würden
Vorliegend handelt es sich um einen Justizskandal. Die Vorladung meines Mandanten,
die auf den bislang geltenden Rechtsgrundlagen zu seiner "Festnahme"
führt, bringt die Realität des so genannten "zivilen Todes"
noch einmal vor Augen und ist ein erheblicher Rückschritt: mithin
ein Justizskandal. In Artikel 90 des türkischen Grundgesetzes heißt es: "Die verfahrensgemäß in Kraft gesetzten völkerrechtlichen Verträge haben Gesetzeskraft. Gegen sie kann das Verfassungsgericht mit der Behauptung der Verfassungswidrigkeit nicht angerufen werden." Die Türkische Republik trat im Jahre 1954 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) bei. 1987 wurde das individuelle Klagerecht türkischer Staatsbürger bei der Europäischen Menschenrechtskommission und 1989 die Befugnis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zur Rechtsprechung akzeptiert. Somit ist die türkische Regierung nach ihrer eigenen Verfassung, nach der EMRK und ihrer dazu abgegebenen Erklärung an den Europarat gebunden und verpflichtet, dem am 24.01.2006 verkündeten Urteil Folge zu leisten. Dies umfasst nicht allein die Zahlung des Schadensersatzes, sondern auch die Beseitigung der verursachten Beeinträchtigungen. Falls diese Beeinträchtigungen auf gesetzlichen Regelungen beruhen, müssen sie durch eine Neuregelung des Gesetzes beseitigt werden. Die Regierung hat gegenwärtig
weder der fortlaufenden Beeinträchtigung meines Mandanten abgeholfen,
noch die Beeinträchtigung der übrigen Kriegsdienstverweigerer
beseitigt. Des Weiteren wurde bisher kein Schritt zur Beseitigung der
Diskriminierungen unternommen. Die Regierung verspricht dem Europarat einerseits, dass sie das EGMR-Urteil befolgen, die Beeinträchtigungen der Kriegsdienstverweigerer sowie insbesondere Osman Murat Ülkes aufheben durch gesetzliche Neuregelungen weitere Beeinträchtigungen verhindern werde. Andererseits werden Schritte in die Wege geleitet, meinen Mandanten zu inhaftieren. Die rechtliche Situation von Osman Murat Ülke muss mit sofortiger Wirkung korrigiert werden. Aufgrund der auf Osman Murat Ülke gerichteten Bedrohung haben wir, seine bevollmächtigten RechtsanwältInnen, gestern die unten aufgeführten Anträge an das Ministerkomitee des Europarates gestellt. (Anlage 4) Außerdem haben wir das Schreiben aus gegebenem Anlass an die Militärstaatsanwaltschaft des Militärgerichts Eskisehir, die Staatsanwaltschaft Ayvalik, das Auswärtige Amt sowie den Generalstab zur Kenntnisnahme weitergeleitet. (Anlage 5) Alle gegen unseren Mandanten bestehenden Vollstreckungsmaßnahmen müssen unter Zugrundelegung des EGMR-Urteils mit sofortiger Wirkung aufgehoben werden. Dazu müssen alle erdenklich geeigneten Schritte unternommen werden. Die Eintragungen im Strafregister unseres Mandanten müssen, wie in der Sitzung vom 14.02.2007 vorgesehen, gelöscht werden, so dass er legalisiert wird. Osman Murat Ülke müssen die vollständigen Bürgerrechte eingeräumt bzw. erneut angeordnet werden. |