Presseerklärung:

Bochum, den 29. Oktober 1997


"Wir kommen wieder !"
Angeklagte des Friedenszuges reisen zu Prozessen in die Türkei

"We shall overcome" sangen die 17 wegen Teilnahme an einer verbotenen Pressekonferenz festgenommenen TeilnehmerInnen des Friedenszuges "Musa Anter" vor der versammelten türkischen Presse, bevor sie dem Haftrichter vorgeführt wurden - "Wir werden wiederkommen", übersetzten die Schlagzeilen des nächsten Tages.
Nun wird die türkische Presse mit dieser Übersetzung doch Recht behalten. Der größte Teil der Angeklagten aus Deutschland, Dänemark und Italien plant, an dem für den 11. November anberaumten Prozeßtermin in Istanbul anwesend zu sein.
Wie europaweit in allen Medien berichtet, war die Reise der Friedensdelegation "Musa Anter" in die Türkei und nach Kurdistan von zahlreichen Schwierigkeiten begleitet. Von Seiten der sogenannten "Sicherheitskräfte" kam es zu zahlreichen gewalttätigen Übergriffen gegen die ca. 270 TeilnehmerInnen des Buskonvois. Während der Fahrt und auf einer nachfolgenden Pressekonferenz in Istanbul wurden zahlreiche TeilnehmerInnen aus der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, der Schweiz, Italien, Spanien, Dänemark und vor allem aus der Türkei verletzt, verhaftet und vor Gericht angeklagt.
Dennoch war die Reise ein Erfolg. Neben der großen Zustimmung, die die Delegation in der kurdischen und türkischen Bevölkerung fand, gelang es auch international, die Aufmerksamkeit erneut auf das Problem des Krieges in Kurdistan und die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei zu lenken.
Die Friedensdelegation "Musa Anter" war ein Auftakt, mit dem die europäische Friedens- und Menschenrechtsbewegung ihre direkte Einmischung in die inneren Verhältnisse der Türkei begonnen hat. Bei diesem Auftakt soll es nicht bleiben. Auch nach ihrer Rückkehr sind die TeilnehmerInnen entschlossen, die Einmischung fortzusetzen, um den Druck auf die türkische Regierung zu verschärfen und sie damit an den Verhandlungstisch für eine friedliche Lösung in Kurdistan zu bringen.
Am 11. November werden in Istanbul die Prozesse gegen jene FriedensaktivistInnen eröffnet werden, die während der von Polizeieinheiten gestürmten Pressekonferenz verhaftet wurden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen die Teilnahme an einer nicht genehmigten Versammlung vor.
Bis zum Prozeßtermin wurden die Angeklagten auf freien Fuß gesetzt. Für die TeilnehmerInnen der Friedensdelegation bedeutete dies die Abschiebung aus der Türkei. Gegen die mit ihnen angeklagten kurdischen und türkischen JournalistInnen soll somit in Abwesenheit der internationalen Öffentlichkeit verhandelt werden. Die Solidarität gebietet es, diese Rechnung nicht aufgehen zu lassen.
Daher haben 11 Angeklagte aus Deutschland, Italien und Dänemark erklärt, zu ihrem Prozeßtermin in die Türkei reisen und vor Gericht anwesend sein zu wollen. Damit soll verhindert werden, daß der Prozeß unter Ausschluß der internationalen Öffentlichkeit stattfindet. Weitere TeilnehmerInnen der Friedensdelegation und internationale Prominenz, auch aus Spanien, Großbritannien und der Schweiz, sollen vom 8.-12. November mit ihnen reisen, nicht zuletzt, um ein weiteres Mal in der Türkei und international auf die Anliegen des Friedenszuges aufmerksam zu machen und gegen die fortdauernde Kriminalisierung von Friedensforderungen durch die türkischen Behörden zu protestieren.

Für weitere Auskünfte stehen wir Ihnen unter den oben angegebenen Telefon- und Faxnummern oder unter der Mobiltelefonnummer 0171-7127375 zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen
Knut Rauchfuss