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Theaterprojekt "Hotel Europa" hatte Filmpremiere Moers, 13.10.2009, Elke Wiegmann Moers/Duisburg. Rund 15000 Menschen wurden in zwölf Jahren im Moerser Abschiebegefängnis gefangen gehalten. Dies ist der Stoff für „Hotel Europa“, einem Projekt des Schlosstheaters Moers. Der iranische Regisseur Ruzbeh Sadeghi hat die Inszenierung verfilmt - zu sehen im Filmforum Duisburg. „Die Chinesen haben wir mit einem Edding durchnummeriert, die Namen konnte sich ja keiner merken”, sagt ein Wächter und lacht belanglos in die Kamera. Er gehört zu denen, die auf der anderen Seite der zuknallenden Schließanlage des Moerser Hafthauses standen. Rund 15 000 Menschen wurden hier in zwölf Jahren vorübergehend gefangen gehalten. Ohne Anklage, ohne Prozess. Und trotzdem legal, menschenrechtskonform und mitten in der Stadt – kein Guantanamo? Hier im Abschiebegefängnis blickten Flüchtlinge aus der ganzen Welt ihrer ungewissen Zukunft entgegen. „Nur, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren”, meint Kirsten Ben Haddou von der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum. Bedrückende Bilder Mit Briefen, Erfahrungsberichten und Interviews von Menschen, die sie beraten hat, unterstützte die Flüchtlingshilfe ebenso wie die Evangelische Kirche das ungewöhnliche und sehr erfolgreiche Schlosstheater-Projekt „Hotel Europa” von Ulrich Greb. Vor einigen Monaten wurde die Inszenierung an zwei Drehtagen vom iranischen Filmregisseur Ruzbeh Sadeghi verfilmt. Am Samstagabend feierte die gleichnamige, 90-minütige Dokumentation Premiere im Duisburger Filmforum. Schauspieler, Unterstützer, Mitwirkende sowie die beiden Theater- und Filmregisseure Greb und Sadeghi blickten erwartungsvoll auf die Leinwand. „Wir wissen eigentlich alle nicht, was uns erwartet, weil der Film quasi eben erst fertig geworden ist”, beschwichtigte Ulrich Greb die Zuschauer bereits vorab – allerdings ganz ohne Notwendigkeit. Denn der Film verbindet die beiden Genres Theater und Kino zu einem äußerst sehenswerten, beinahe spielfilmischen Werk – wenn auch vereinzelt mit Längen. Egal, wie oft sie mit den Fäusten gegen die Mauern schlagen, sinnbildlich den Berg bitten, sich zu öffnen – niemand erhört sie in ihrer Verzweiflung. Die Kamera fährt den immer endloser wirkenden Beton hinauf. Dann wehen blaue Fahnen des vereinten Europas durch das Bild. Im Hintergrund die kleinen, vergitterten Fenster des heute denkmalgeschützten Hafthauses, hinter denen sich ein paar Quadratmeter Lebensraum für unbestimmte Zeit auftun. Innen, an den kahlen Wände zeugen Texte in verschiedenen Sprachen und Zeichnungen von einer ausweglosen Lage. Beklemmend wirkt diese Umgebung, diese Stimmung der Szenerie, die der iranische Regisseur Ruzbeh Sadeghi in seinem Film so eindringlich festhält. In einem Monat auf DVD „Hotel Europa” thematisiert das Leben hinter den Mauern aus beiden Blickwinkeln, der Wächter und der Häftlinge. Und lädt – auch im Film – das Publikum zu einem Erfahrungsaustausch beim Gang durch diesen unbekannten Ort ein. In etwa einem Monat soll der Film auf DVD erhältlich sein. Im November wird er noch einmal im Filmforum gezeigt. Und hoffentlich auch in weiteren Programmkinos, wünscht sich Regisseur Sadeghi. „So etwas darf nicht einfach wieder verschwinden, wenn die Spielzeit vorbei ist. So eine aufwändige Inszenierung muss erhalten bleiben”, meint der Filmregisseur. Er selbst kam als Flüchtling nach Deutschland. Quelle: Neue Rhein Zeitung, Moers http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/moers/2009/10/13/news-136716139/detail.html |